Man könnte meinen, er sei der
Prototyp eines Mannes in den besten Jahren. Mit seinen Soulcover
aus dem Jahr 2003, versammelt auf dem Album „Neues Spiel“, hat
sich Stefan Gwildis Kommentare aus der Branche eingefahren, die
man nicht aussprechen möchte. Sie wurden bejubelt, verrissen,
angebetet und verspottet. Aber der sympathische Sänger hat die
Ruhe und Charakterstärke über den Dingen zu stehen: „es geht ja
nicht darum, möglichst sicher ’everybody’s Darling’ zu werden.
Es geht darum, irgendwann zu sagen: So ist das. Und das stelle
ich jetzt in die Öffentlichkeit, basta“.
Nach dem Erfolg von „Neues Spiel“
und seinen Nachfolgern „Nur wegen dir“, „Heut ist der Tag“ und
„Wünscht du wärst hier“ allerdings beschlichen manchen klamme
Ängste, ob jetzt wohl Stefan Gwildis die Strömung nutzt und sich
einfach weiter treiben lässt. Hat er getan, aber eben zum Glück
nicht allzu lange. Womit wir endlich beim neuen Album „frei
händig“ (VÖ 02.03.2012 105 Music) wären, das den 53-Jährigen
wieder mit aufgekrempelten Ärmeln zeigt. Natürlich lässt er
nicht ohne Not die Finger vom Seventies Soul, aber nun punktet
er wieder mit (fast) ausnahmslos eigenem Songmaterial, das
angenehm rau klingt. „So sollte das auch sein“, sagt Gwildis,
„wir wollten nicht alles bis zu Ende schmirgeln.
„frei händig“ ist der
unbeschwerte Schritt auf neues Terrain, auch wenn das in
direkter Nachbarschaft zu bekanntem Gelände liegt. Zum Stax- und
Motownsound kommen aber jetzt gelegentlich Fragmente aus der
Frühzeit der Disco Music, dann und wann eine Jiveband-Tuba und
immer wieder Anklänge an die Musik der großen Crooner aus den
Plüschpalästen von Las Vegas, Erinnerungen an Tony Christie und
Tom Jones, nur dass man sich Stefan Gwildis nach wie vor auch
noch beim Rasenmähen oder Kuchen backen vorstellen könnte.
Eine wichtige Seite im Schaffen
des Stefan Gwildis ist seine gewaltige Live-Performance. Man
könnte ihn als die ’natural born Rampensau’ bezeichnen. Und wenn
hinter den Plakaten für seine Tourneen der Kleister noch
trocknet, klebt man vorn meist schon das Siegel „ausverkauft“
drauf, was ja einen Grund haben muss – und auch hat. Gwildis
live ist eine Urgewalt, ist Einsatz bis zum letzten Hemd.
„Wann“, fragt Stefan Gwildis, „ist ein gutes Konzert eigentlich
ein sehr gutes?“ Ganz einfach: Wenn der Zuschauer den Eindruck
hat, dieser Künstler da vorn könne sich absolut keinen anderen
Ort vorstellen, an dem er in diesem Moment lieber wäre als eben
diese Bühne. So ist das bei Gwildis immer. Und deshalb darf man
sich jetzt schon darauf freuen die neuen Songs von „frei händig“
endlich im Konzertsaal zu erleben.